Ich seh den Sternenhimmel, Sternenhimmel, oho!

Es ist vermutlich das Highlight eines Jeden, den es nach Kirgistan verschlägt. Die erste Nacht in einer Jurte.

Und was gibt es auch schöneres, als auf weichen Decken liegend in den Sternenhimmel zu schauen, umgeben nur von Bergen und Schafen und Pferden und Stille?

Dem Gebrauch von Jurten liegt eine jahrtausendealte Geschichte zugrunde. Kaum anders wäre eine mobile pastorale Fernweidewirtschaft möglich gewesen.

Während der Sowjetzeit verboten, zieht es heute wieder viele Kirgisen und ihre Familien in den Monaten zwischen Mai und September in die Sommerlager, die sogenannten Dshailoos.

In ihre Einzelteile zerlegt, lässt sie sich mit dem Pferd auch in die abgelegensten Bergregionen transportieren.

Eine Jurte kann innerhalb von wenigen Stunden aufgebaut und noch schneller wieder abgebaut werden. Traditionell ist der Aufbau Frauensache und geschieht mit dem Aufstellen des Eingangs, dem bosogo, in südwestlicher Richtung. Von hier kommt nicht nur am meisten Licht, sondern auch am wenigsten Niederschlag.

Auf kirgisisch heißt sie bos uj – graues Haus. Dabei sind die von außen mit Filz bedeckten traditionellen Zelte der Nomaden von innen alles andere als grau, sondern leuchten in den schönsten Farben.

Das beginnt mit den rot gestrichenen hölzernen kerege, dem Scherengitter, das von hinten oft mit Strohmatten isoliert wird. Je nach Größe der Jurte gibt es davon zwischen vier bis zwölf. Auf das kerege gestützt biegen sich die gebogenen Dachstangen, uuk genannt. Diese stützen das Herzstück einer jeden Jurte: den Tündük. Traditionell wird er aus dem besten Holz gefertigt, von Generation zu Generation vererbt und darf niemals ausgetauscht werden. Neben der Funktion als Abzug hat er gleichzeitig auch eine symbolische Bedeutung: Es ist die Öffnung zur Welt. Und wer einmal durch einen Tündük in den endlosen Himmel geblickt hat, der wird um diese Symbolik verstehen. Bedeckt wird der Tündük von außen mit einem besonderen Teil Filz, dem tuurduk, an dem eine Zugschnur zum Öffnen und Schließen angebracht ist.

Steht das Gerüst, so wird geschmückt. Das Innere wird mit Teppichen, den sogenannten Shyrdaks, ausgelegt und die kerege mit bunten Bändern umwickelt. Oft werden vom Dach noch bunte Wollpuschel und Tüddel gehängt.

Grundsätzlich findet das gesamte gesellschaftliche Leben in einer Jurte statt. Hier wird geschlafen, gekocht und gegessen; hier wird gelebt, oft mit bis zu 10 Personen. Üblicherweise schläft man auf dem Boden auf mehreren Schichten Decken, die für die Nacht ausgelegt werden. Ein Ofen spendet Wärme.

Heute gibt es insbesondere für Touristen extra Jurten, die als reines Schlafzimmer dienen und oftmals sogar Betten haben. Für Mahlzeiten findet man sich dann in einer besonders großen Speisejurte zusammen.

In einer Jurte gelten klare Regeln. Die erste, die es zu befolgen gilt, ist die der Barfüßigkeit.

Die Schuhe werden unbedingt draußen vor dem Eingang abgestellt. Über die Schwelle sollte man bevorzugt mit dem rechten Fuß zuerst treten. Grundsätzlich sollte man sich so kurz wie möglich stehend aufhalten. Je nachdem, ob man sich dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlt, wendet man sich nun nach links – als Mann – oder nach rechts. In ihrer Einrichtung spiegelt sich die soziale Ordnung wider: Koch- und Haushaltsutensilien beispielsweise finden sich auf der einen, Gegenstände für das Vieh, die Jagd, etc. auf der anderen Seite.

Die optimierte Raumaufteilung und Raumausstattung sind von Nöten, sodass der begrenzte Platz bestmöglich genutzt werden kann. Jedes Familienmitglied ist Platz und Wirkungsgebiet zugewiesen.

Wer jetzt Lust bekommen hat, selber einmal in einer Jurte zu nächtigen – das ist selbstverständlich Bestandteil all unserer Reisen.

Teilen:

Facebook
Twitter
Pinterest
LinkedIn

Leave a Comment

Social Media

Beliebte Artikel

Get The Latest Updates

Subscribe To Our Weekly Newsletter

No spam, notifications only about new products, updates.

Artikel-Kategorien

Spannendes

Ähnliche Artikel

Begegnungen

Wir präsentieren heute zu unserem Thema “Begegnungen” einen Reisebericht von Aileen Sch.. Sie war vier mal in Kirgistan und hat das Land und die Leute hautnah erlebt. Lassen Sie sich inspirieren und zur Reiseauswahl geht es hier: Gruppenreisen – ALA-KOL Travel | Reisen in Kirgistan Wenn ich an Kirgistan denke, dann denke ich an grandiose Landschaften, Ruhe undAbgeschiedenheit und das Gefühl von Freiheit.Und an die unglaubliche Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen.Wie gerne erinnere ich mich an meinen ersten richtigen Tag in Kirgistan und an die Frau, inderen Vorgarten wir standen, weil wir dachten, dass es dort zum Museum geht. Anstatt unszu verscheuchen, hat sie uns wie selbstverständlich bis zum Eingang des Museumsgebracht. Das Kunstmuseum in Naryn kann ich definitiv empfehlen. Nachdem wir demMuseumsbesitzer erzählten, dass es in unserem Hotel kein Toilettenpapier gibt, hat er unsnicht nur mit jenem versorgt, sondern auch sein Museum abgeschlossen und uns durch dieganze Stadt geführt, um ein Internetcafé zu finden, damit wir zuhause Bescheid gebenkönnen, dass wir gut angekommen sind.Dann denke ich an das kleine Mädchen, dass schüchtern zu uns kam, jedem zwei KugelnKurut in die Hand drückte und dann kichernd schnell wieder weggerannt ist. Ich erinneremich an das Strahlen in den Augen, als wir den

Koch mal Kirgisisch – Rezept 2 : Dymdama

Der letzte Lagman-Versuch ist gut verlaufen und du bist bereit für eine neue Herausforderung? Deine Freunde sind auf den Geschmack gekommen und wollen mehr? Dann kommt heute das nächste einfach nachzukochende Rezept, bei dem mir direkt das Wasser im Munde zusammenläuft, denn es ist eins meiner liebsten Gerichte: Dymdama.  Dymdama bedeutet „dampfen“ und ist einfach und ohne viel Aufwand gemacht. Eigentlich benötigt man hierfür zwar Schaffett von der Keule, aber Fleisch und/oder Speck tun es natürlich in diesem Fall auch 😉 Du brauchst: 250g Fleisch (nach Belieben) 125g Speck (oder entsprechend mehr Fleisch) 3 Tomaten 200g Weißkohl 2 Möhren 1 Paprika 3 Kartoffeln 2 Zwiebeln 3 Knoblauchzehen Öl zum Anbraten Frische Petersilie, Salz, Pfeffer, Thymian und Kümmel 100 ml Wasser Anschließend die Weißkohlblätter auf Teller legen und den Rest dazugeben. Guten Appetit! In all unseren Reisen erleben Sie diese geschmackvolle Kulinarik!

Kirgistan für Zuhause: Medientipps

Ob zum Einstimmen oder zum Erinnern: kaum etwas katapultiert einen so schnell und eindrücklich in ferne Welten wie Filme und Bücher. Zum Glück gibt es inzwischen auch bei uns einige kirgisische Medien. Perfekt also, um sich gemütlich aufs Sofa zu lümmeln und zumindest gedanklich nach Zentralasien zu reisen – das geht so praktischerweise auch viel schneller als per Flugzeug 😉 Los geht es heute mit den wohl berühmtesten Werken. Djamila Wir starten mit einem Klassiker, auch bekannt als die „schönste Liebesgeschichte der Welt“ und gerade erst in diesem Jahr in neuer Auflage mit wunderbaren Illustrationen von Kat Menschik bei Galiani-Berlin erschienen. Es ist wohl Tschingis Aitmatow bekanntestes Werk: seine 1958 erschienene Novelle über die Liebe als Abschlussarbeit am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. Dem ein oder anderem in der DDR Aufgewachsenen mag der Inhalt vielleicht noch bekannt sein, denn hier war Djamila für Schüler Pflichtlektüre. Erzählt wird sie von Djamilas Schwager Said, der während des Einsatzes seines Bruders Sadyk im 2. Weltkrieg versucht, Djamila von anderen Männern fernzuhalten. Doch dann lernt sie den teilinvaliden, verträumten Frontheimkehrer Danijar kennen und verliebt sich in ihn und seinen Gesang. Doch dann kehrt Sadyk zurück… Wer lieber Filme guckt als liest, hat Glück, denn Djamila wurde

Koch mal Kirgisisch – Rezept 1 : Lagman

Das letzte Mal Kirgistan ist schon wieder viel zu lang her oder noch schrecklich lange hin? Fotos angucken reicht nicht, um das Fernweh zu stillen? Und eigentlich möchtest du deinen Freunden Kirgistan auch authentisch kulinarisch näherbringen? Dann koch doch mal kirgisisch! Zugegeben, die Küche des Landes ist hierzulande weniger bekannt als die des östlichen Nachbarn, aber viele Zutaten bekommt man so oder so ähnlich zum Glück ja auch bei uns. Und Liebe geht ja schließlich durch den Magen. Für ein echtes kirgisisches Festmahl musst du auch nicht unbedingt einen Hammel schlachten 😉 Ein Ausflug zum nächsten Supermarkt reicht diesmal auch, wir drücken da mal ein Auge zu. Also, los geht’s! Heute kochen wir Lagman! Eigentlich werden die Nudeln von Hand gemacht, der Einfachheit halber nehmen wir heute Spaghetti oder Bandnudeln. Du brauchst: 500g Fleisch (z.B. Rind oder Hühnchen) oder Fleischersatz 500g Nudeln 2 Möhren 2 Zwiebeln 1 rote Paprika 2 Kartoffeln 3 Tomaten 1 Rettich 3 Knoblauchzehen ½ Bund Dill Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und Koriander Etwas Öl zum Anbraten 1. Fleisch würfeln. Gemüse schälen und kleinschneiden. 2. Das Öl in einem großen Topf kräftig erhitzen und das Fleisch anbraten, dann Hitze reduzieren. Zwiebeln hinzugeben und bei geschlossenem Deckel glasig dünsten.

Wir beraten Sie gern persönlich!

Wie möchten Sie uns kontaktieren?